Innovationen bieten neue Möglichkeiten: Stellvertretender CEO Christoph Brand und Tamedia Mitarbeiterin Jessica Drexler.

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Wachsen am Wettbewerb

Pietro Supino
Verleger & Verwaltungsratspräsident
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Tamedia kann den Weg in die Zukunft von einer ausgezeichneten Marktposition ausgehen. Aber es wird kein Spaziergang werden. Voraussetzungen für die Transformation sind: Technologie, Investitionsbereitschaft – und eine grosse Neugierde.

Wir leben in einem Wechselbad der Gefühle. Die Schweiz ist ein sehr attraktives Land mit einer wohlhabenden und gebildeten Bevölkerung, die am politischen Geschehen sowie am wirtschaftlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und sportlichen Leben teilnimmt. In diesem privilegierten Rahmen haben wir uns mit unseren qualifizierten und engagierten Mitarbeitenden über viele Jahrzehnte ausgezeichnete Marktpositionen erschaffen. Wir haben Höhen und Tiefen erlebt und sind daran gewachsen.

Heute steht unsere Medienwelt mitten in der digitalen Transformation. Damit einher geht ein enormer Wettbewerb auf dem Nutzer- und auf dem Werbemarkt. Wir sind herausgefordert, unsere erfolgreichen Plattformen weiterzuentwickeln, um sie vor disruptiven Umbrüchen zu schützen und die Wirtschaftlichkeit und damit auch die Unabhängigkeit unserer Medien zu erhalten.

Digitale Marktplätze zum Beispiel waren zu Beginn nichts anderes als Zeitungsannoncen im Internet. Dank neuer Funktionalitäten entwickeln sie sich zu Transaktionsplattformen, welche die gesamte Wertschöpfungskette vom Erstkontakt bis zum Kauf abbilden. Dafür benötigen wir neues Wissen, das wir durch die Diversität unserer Mitarbeitenden und durch Investitionen in neue Technologien und Start-ups erlangen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation unserer Aktivitäten.

In der Publizistik stelle ich fest, dass die Grundversorgung so reichhaltig wie noch nie ist. Der investigative Journalismus erlebt eine Blütezeit. Und das «longform storytelling» profitiert von neuen multimedialen Möglichkeiten. Wobei Claas Relotius uns anschaulich in Erinnerung gerufen hat, dass «story telling» ein ambivalenter Begriff ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es langfristig eine Nachfrage nach unabhängigem Qualitätsjournalismus gibt.

Zwar scheinen eine ideologische Verortung und vorgefasste Ansichten für gewisse Nischenangebote, für die soziale Anerkennung unter seinesgleichen und sogar für das Gewinnen von Journalistenpreisen ein erfolgreiches Konzept zu sein. Aber ich bleibe davon überzeugt, dass Neugierde der Ausgangspunkt unserer Arbeit sein muss. Fehlerfreiheit, Wahrheit im Sinne der Vollständigkeit, Transparenz insbesondere über die eigenen Interessen sowie Fairness gegenüber von der Berichterstattung betroffenen Personen und Institutionen sind die grundlegenden Qualitätsmerkmale des professionellen journalistischen Handwerks.

Daran müssen wir uns orientieren. Damit können wir uns von propagandistischen Beiträgen und Wahrnehmungsblasen im ausufernden medialen Gesamtangebot unterscheiden. Damit leisten wir einen Mehrwert für die Gesellschaft und für Menschen, die sich in einer immer komplexeren Welt informieren und orientieren und eine eigene Meinung bilden wollen.

Das ist der Kern unserer verlegerischen Verantwortung – unsere Aufgabe und unsere Chance. Ich bin davon überzeugt, dass es langfristig eine Nachfrage nach unabhängigem Qualitätsjournalismus und eine Zahlungsbereitschaft dafür gibt. Neueste Erfahrungen mit digitalen Bezahlmodellen bestärken mich in dieser Überzeugung. Lokale Verankerung, Lesernähe, investigativer und datenbasierter Journalismus sowie «Longform»-Journalismus mit der Fähigkeit der sprachlichen und zunehmend multimedialen Umsetzung sind Erfolgsfaktoren. Darauf können wir setzen.


Podiumsdiskussion: Die Zukunft des Journalismus

Sinkende Auflagen, schrumpfende Werbung, rasante Digitalisierung, die Vertrauenskrise nach dem Fälscherskandal Relotius: Darüber diskutieren am 2. April: Mathieu von Rohr, Stv. Leiter Ressort Ausland «Spiegel»; Melinda Nadj Abonji, Schriftstellerin; Michael Marti, Chefredaktion Tamedia; Regula Rytz, Präsidentin Grüne und Diego Yanez, Direktor MAZ. Moderation: Sandro Benini, Tamedia.

2. April, 19.00 Uhr
Hauptgebäude Tamedia, Zürich
Tickets: hier bestellen

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